Zum Wochenauftakt geben die Ölpreise an den Börsen ICE und NYMEX nach, obwohl die Festnahme des venezolanischen Machthabers am Wochenende zunächst für Aufmerksamkeit sorgte. Der frühe asiatische Handel verlief zwar volatil und startete mit leichten Gewinnen, diese wurden jedoch rasch durch Gewinnmitnahmen wieder abgegeben. Marktteilnehmer gehen offenbar davon aus, dass die politischen Umwälzungen in Venezuela kurzfristig keine nennenswerten Auswirkungen auf das globale Ölangebot haben werden.
Venezuela spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle am Ölmarkt. Während das Land früher zu den bedeutenden Förderstaaten zählte, ist die Produktion in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zurückgegangen und liegt inzwischen bei unter einem Prozent der weltweiten Versorgung. Gleichzeitig sieht sich der Ölmarkt in diesem Jahr mit einem deutlichen Überangebot konfrontiert, da sowohl die OPEC+ als auch andere Produzenten ihre Förderung ausgeweitet haben. Entsprechend lassen sich mögliche Ausfälle in Venezuela derzeit gut durch zusätzliche Mengen aus anderen Regionen kompensieren.
Vor diesem Hintergrund wird das Risiko kurzfristiger Versorgungsengpässe als begrenzt eingeschätzt. Vielmehr erwarten viele Marktbeobachter, dass das starke globale Angebotswachstum den Ölpreis mittelfristig unter Druck setzt. Auch mögliche Beeinträchtigungen der venezolanischen Exporte dürften angesichts der Angebotslage nur geringe Preisauswirkungen haben, selbst wenn die politische Situation angespannt bleibt.
Langfristig wird die Entwicklung sogar als eher belastend für den Ölmarkt gesehen. Ein möglicher politischer Neuanfang in Venezuela könnte mittelfristig zusätzliche Fördermengen auf den Markt bringen, insbesondere wenn Sanktionen gelockert oder aufgehoben würden. In einem solchen Szenario könnten mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag zusätzlich verfügbar werden, auch wenn der Weg dorthin von Unsicherheiten geprägt wäre.
Kurzfristig ist eine Aufhebung der Sanktionen jedoch nicht in Sicht. Die US-Regierung hat bekräftigt, dass die bestehenden Massnahmen gegen die venezolanische Ölindustrie vorerst bestehen bleiben. Zwar wurde signalisiert, dass US-Unternehmen beim Wiederaufbau des Sektors helfen könnten, doch gilt dies als langwieriger Prozess. Zusätzliche Fördermengen wären daher nicht kurzfristig zu erwarten.
Neben Venezuela bleiben weitere geopolitische Spannungsfelder im Blick der Marktteilnehmer. Dazu zählen insbesondere der Nahe Osten mit anhaltenden Spannungen zwischen wichtigen Förderländern sowie neue Drohungen gegenüber dem Iran im Zusammenhang mit dessen Atomprogramm. Trotz dieser grundsätzlich preisstützenden Risiken dominiert derzeit jedoch klar die Angebotsfülle am Ölmarkt.
Börsendaten 06.01.2026 um 08.40Uhr
ICE-Gasoil JAN: 621.50
ICE-Brent MAR: 61.50
NY-Rohöl WTI FEB: 58.03
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