Trotz der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte zeigen sich die internationalen Ölpreise zum Wochenstart rückläufig. An den Börsen ICE und NYMEX kam es am Montagmorgen zu Kursverlusten. Zwar legte der asiatische Frühhandel zunächst zu, doch rasche Gewinnmitnahmen kehrten den Trend. Die Märkte sehen offenbar keine gravierenden Risiken für das globale Ölangebot durch die Lage in Venezuela.
Das Land war einst ein bedeutender Ölexporteur, liefert heute aber weniger als 1 % des Weltbedarfs. In einem Markt mit hohem Überangebot, bedingt durch steigende Fördermengen der OPEC+ und anderer Länder, sind Auswirkungen venezolanischer Ausfälle begrenzt.
Laut Neil Shearing (Capital Economics) können kurzfristige Ausfälle problemlos durch andere Produzenten ausgeglichen werden. Er rechnet mit weiter steigendem Angebot und einem Preisrückgang in Richtung 50 Dollar je Barrel. Auch Goldman Sachs sieht nur begrenzte Risiken, abhängig von der künftigen US-Sanktionspolitik.
JP Morgan und RBC Capital halten einen Regimewechsel in Venezuela langfristig für potenziell preisdämpfend. Eine Aufhebung der Sanktionen könnte das Angebot deutlich erhöhen, sofern sich die Lage stabilisiert. Allerdings bleiben Sanktionen laut Donald Trump vorerst bestehen. Investitionen und neue Fördermengen dürften Zeit brauchen.
Obwohl sich auch im Nahen Osten die Spannungen verschärfen, etwa zwischen Saudi-Arabien und den VAE oder mit Blick auf den Iran, bestimmt das Überangebot weiterhin das Marktgeschehen. Haris Khurshid (Karobaar Capital) betont, dass geopolitische Risiken derzeit kaum durchschlagen.
Obwohl verschiedene geopolitische Risiken theoretisch das Potenzial für steigende Ölpreise hätten, überwiegt aus fundamentaler Sicht derzeit die Einschätzung eines überversorgten Marktes. Die Preisentwicklung bleibt somit leicht bearish.
Börsendaten 05.01.2026 um 09.00Uhr
ICE-Gasoil JAN: 609.50$
ICE-Brent MAR: 61.21$
NY-Rohöl WTI FEB: 56.77$
US-Dollar/CHF: 0.7942
Rheinfracht nach Basel: 26.50