Geopolitische Risiken und hohe Transportkosten treiben die Preise

Der internationale Ölmarkt bleibt angespannt. Neue geopolitische Risiken im Nahen Osten, hohe Frachtraten und Unsicherheiten bei den globalen Lieferketten treiben die Ölpreise nach oben. Für den Schweizer Heizölmarkt bedeutet dies ein herausforderndes Umfeld, gerade jetzt, da die Heizsaison an Fahrt gewinnt.

Internationale Ölpreise auf dem höchsten Niveau seit sechs Monaten

Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, schloss der ICE-Gasoil-November-Kontrakt bei 1'444.75 USD pro Tonne. Das entspricht einem Tagesanstieg von 13.25 USD. Brent kletterte am Freitagmorgen zeitweise auf 114.73 USD pro Fass und erreichte damit den höchsten Stand seit dem 4. Mai. Die Aufwärtsbewegung wird vor allem durch geopolitische Risiken und steigende Transportkosten getragen. Die Sorge vor einer erneuten militärischen Eskalation zwischen den USA und Iran nimmt zu. Meldungen über Angriffe auf Schiffe sowie die Räumung von Einrichtungen in Saudi-Arabien verstärken die Unsicherheit an den internationalen Ölmärkten. Zwar haben sich die Rohölexporte aus dem Nahen Osten nach Einschätzung von Marktbeobachtern weitgehend erholt. Die tatsächliche Versorgung bleibt jedoch durch hohe Transportkosten und Risiken auf wichtigen Schifffahrtsrouten belastet.

Strasse von Hormus und Frachtraten als entscheidende Preistreiber

Die Strasse von Hormus bleibt ein zentraler Risikofaktor für den globalen Ölhandel. Angriffe auf Schiffe, mögliche Schäden durch Seeminen und die Gefahr weiterer militärischer Auseinandersetzungen halten die Transportkosten hoch.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Tankerfrachten: Laut der vorliegenden Marktanalyse näherten sich die Frachtraten für Supertanker auf der Route vom Persischen Golf nach China zuletzt 35 USD pro Fass. Damit liegen sie mehr als zwanzigmal über dem Zehnjahresdurchschnitt.

Schweizer Heizölversorgung: Gesichert, aber angespannt

Für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten ist die Unterscheidung zwischen Preisentwicklung und Warenverfügbarkeit besonders wichtig. Gleichzeitig bleibt die Versorgungskette logistisch stark gefordert. Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein schränkt die Transportkapazitäten der Rheinschifffahrt erheblich ein. Dadurch müssen zusätzliche Mengen über Bahn und Strasse transportiert werden. Die Bahn ist jedoch ebenfalls durch Baustellen, Störungen und begrenzte Kapazitäten belastet. Die Folgen zeigen sich in höheren Transportkosten, längeren Lieferwegen und einer insgesamt anspruchsvolleren Planung der Mineralölversorgung. Wichtig für Heizölkunden: Eine angespannte Versorgungslage bedeutet nicht automatisch, dass Heizöl in der Schweiz knapp wird. Der Bund beurteilt die Verfügbarkeit weiterhin als gesichert. Die logistischen Einschränkungen und die internationale Preisentwicklung bleiben jedoch wesentliche Risikofaktoren.

Was bedeutet das für Heizölkunden?

Die internationalen Rahmenbedingungen sprechen derzeit gegen eine schnelle und nachhaltige Entspannung am Heizölmarkt. Die geopolitische Risikoprämie, hohe Frachtraten und mögliche weitere Störungen bei Förderung und Transport können die Preise zusätzlich nach oben treiben.

Kurzfristige Rückgänge sind dennoch möglich, etwa wenn sich die politische Lage beruhigt oder Marktteilnehmer Gewinne mitnehmen. Eine verlässliche Prognose ist angesichts der vielen Einflussfaktoren nicht möglich.

Für Haushalte und Unternehmen empfiehlt es sich deshalb, den eigenen Heizölbedarf frühzeitig zu prüfen und die Preisentwicklung aufmerksam zu verfolgen. Wer in den kommenden Wochen Heizöl benötigt, sollte nicht allein auf einen möglichen Preisrückgang spekulieren, sondern den Bedarf, den Tankfüllstand und die aktuelle Offerte gemeinsam beurteilen.

Börsendaten 23.10.2026 um 09:13 Uhr
ICE-Gasoil NOV: 1488.75$
ICE-Brent DEZ: 114.29$
NY-Rohöl WTI DEZ: 100.73$
US-Dollar/CHF: 0.8229
Rheinfracht nach Basel: 245.00