Geopolitik stützt kurz, Angebot drückt langfristig

Die Ölpreise starten mit leichten Gewinnen in die Silvesterwoche, nachdem Gespräche zwischen der Ukraine und den USA am Wochenende keinen entscheidenden Fortschritt im Friedensprozess gebracht haben. Zuvor hatten Brent und WTI deutlich nachgegeben, belastet durch Erwartungen eines Überangebots in den kommenden Monaten sowie Hoffnungen auf ein mögliches Kriegsende.

Trotz positiver Signale zu einer Annäherung in den Verhandlungen bleiben zentrale Detailfragen offen. Weitere Gespräche sind angekündigt, doch die Unsicherheit über den weiteren Verlauf wirkt weiterhin auf den Markt.

Insgesamt steuern die Ölnotierungen an ICE und NYMEX auf den fünften Monatsverlust in Folge zu – die längste Negativserie seit über zwei Jahren. Hauptbelastungsfaktor ist die Aussicht auf ein deutliches globales Überangebot, das insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2026 spürbar werden dürfte. Treiber sind die neue Förderstrategie der OPEC+ sowie steigende Produktionsmengen in Ländern wie Brasilien und Kanada. Da das Nachfragewachstum nicht Schritt hält, rechnen Marktbeobachter im kommenden Jahr mit einer Überversorgung von mehr als zwei Millionen Barrel pro Tag, teils sogar deutlich darüber.

Dieses erwartete Angebotsplus ist so gross, dass selbst Förderausfälle und geopolitische Risiken – etwa Produktionsstörungen in einzelnen Ländern oder Angriffe auf Energieinfrastruktur – nur begrenzte preisstützende Wirkung entfalten. Gleichzeitig bleibt der geopolitische Ausblick unsicher, insbesondere mit Blick auf den weiterhin ungelösten Konflikt in der Ukraine.

Unterstützung könnte hingegen von China kommen: Das Land plant, seine staatlichen Ausgaben im Jahr 2026 auszuweiten, um das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren. Angesichts der anhaltenden Schwäche am Immobilienmarkt und externer Belastungen steht die Konjunktur unter Druck. Zugleich wird erwartet, dass China als grösster Rohölimporteur seine strategischen Vorräte weiter ausbaut, was einen Teil des globalen Überangebots abfedern könnte.

 

Börsendaten 29.12.2025 um 08:54 Uhr
ICE-Gasoil JAN: 617.25$
ICE-Brent FEB: 61.27$
NY-Rohöl WTI JAN: 57.37$
US-Dollar/CHF: 0.7888
Rheinfracht nach Basel: 26.50